Zum Autofahren braucht man einen Führerschein, zum Angeln einen Angelschein und sogar zum Einkaufen in “Großmärkten” braucht man einen Gewerbeschein.
Was will ich damit sagen? Ich könnte tausend Dinge aufzählen, für die man einen speziellen Schein benötigt. Für einige Tätigkeiten braucht man keinen Schein, aber Talent und [Beziehungen oder Glück]. Da fällt mir das Bücherschreiben ein, so wie es bisher lief, mit Verlag, Veröffentlichung, vielen Verkäufen und allem Drum und Dran.
Dank E-Book kann nun jeder ein Buch veröffentlichen – ganz ohne Schein. Man kommt ja sogar ohne Schein ins Internet, obwohl ein “Internetführerschein” vielleicht nötig wäre, um den Verkehr auf der Datenautobahn etwas sicherer zu machen.
Das Internet ist unser Schweizer* Taschenmesser der All-, Werk- Sonn- und Feiertage geworden.
*(Sir Timothy John Berners-Lee ist zwar kein Schweizer, aber er hat ja wenigstens in der Schweiz gearbeitet!)
Diese virtuelle Welt macht alles möglich – für jeden Netzbürger – von der Webvisitenkarte, über die gebastelte Homepage, das Blog und Gästezimmer in den sozialen “Sich-Selbst-Verkaufsplattformen”. Und nun darf man bei Amazon nicht nur als semiprofessioneller Freizeitrezensent seinen Senf zu allen Büchern dazugeben, sondern sogar eigene Bücher veröffentlichen.
Bücher wie “In 7 Tagen zum eigenen E-Book“, oder “Wie ich 1 Million E-Books verkaufte” animieren nun auch die (allerletzten) Menschen den Autorenberuf zu ergreifen. Vor allem die, die bisher gar nicht wussten, womit sie ihr Geld eigentlich verdienen könnten oder sollen oder wenigsten berühmt werden.
Damit ich hier nicht falsch verstanden werde: Ich weiß, wie viele gute, talentierte und seriöse Autoren nun auch E-Books anbieten! Die meine ich NICHT, wenn ich hier ablästere.
Wer es als blutiger Anfänger trotzdem nicht lassen kann oder will, soll sich wenigstens den Rat von Fachleuten anhören. Es gibt inzwischen auch sehr viele, gute Ratgeber.
Wer wissen möchte, wie schwer der Autorenberuf generell ist, sollte unbedingt Carla Berlings Buch lesen. Da lernt man als Leser sehr unterhaltsam und bequem im Lesesessel sitzend, dass zum Schreiben auch Kämpfen gehört. Dann weiß man wenigstens, dass es etwas länger als 7 Tage
dauert, bis sich der Erfolg einstellt.
Übrigens, beim Durchstöbern der E-Book-Shops habe ich schmerzlich festgestellt, dass sich die Qualität von unbekannten E-Book-AutorInnen nicht am Preis ablesen lässt. Vorher wenigsten die Leseprobe downloaden, schützt vor allzu großen Enttäuschungen!
Hoffentlich wird sich auch dieser Hype irgendwann regulieren. Ich schätze, die in Zukunft “überfüllten” E-Book-Shops werden dann ähnlich “gefiltert”, wie Google es mit dem ganzen Internet schon tut. Dann behalten wir ja die Übersicht, beziehungsweise es erreichen uns nur die “E-Book-Botschaften” für die der Absender etwas investiert hat: Geld für Werbung, Arbeit, Qualität oder schon vorhandene “Berühmtheit”.
Ich fürchte, für manche scheinbaren Allesmacher kann es ein böses Erwachen geben, lieber Heinrich. Wenn sie nämlich frech “Verlag Selbstversuch” draufschreiben und keinen Gewerbeschein beantragen. Internet schützt vor dem Scheinleben nicht. Drum immer wieder nützlich in allen Lebenslagen: der Jagdschein.
Schöne Grüße, Petra
….diese modernen Zeiten, lieber Heinrich,
schaffen ein neues Plateau für jedwelche Selbstverkennungen. So stöhnte unlängst eine JobCenter-Ausbildungsberaterin-Tante vor laufender Kamera, die Heranwachsenden zögen herkömmliche Ausbildungswege garnicht mehr in Erwägung, sondern verillusionieren ihre Gegenwart mit Zukunftsträumen vom Popstar- oder Fotomodel-Dasein. Ergreifend ernüchternd hierzu die Einblendungen… die eine übergewichtige, aufgedonnerte Fruchtzwergin zeigten (Model!) und hernach einen blassgesichtigen, pickligen Jüngling (Pop-Star!), welcher ein siebenstimmiges kakophonisches Desaster intonierte. Jaja, die Jugend, könnte man an dieser Stelle seufzen…
…aber wir “Alten” sind nicht besser. Zwar plagen wir die Öffentlichkeit nicht mit Auftritten in Germanies next TopFlop … dafür glaubt jede-r, dem es gelingt geometrische Kraftlinien so zu zeichnen, dass sie ganze Buchstaben, ja Wörter ergeben, diese Leistung gehöre ausgiebig unter ein breites Publikum geschleudert und gewürdigt. Ganz schlimm finde ich persönlich jene Blog.s, in denen diverse Reim-Dich-oder-ich-fress-Dich-Pöten mit ihren pseydoliterarischen Ergüssen die Synapsen fast zum Durchglühen bringen. Nun, glücklicherweise befreit ein hurtiger Klick aus dem bei längerem Studium sicherlich aufkommenden Bedürfnisses des Fremd-Schämens.
…und auch, wenn nun jeder der Selbstprofilierung dienende veröffentlichte Schnippsel kurzfristig emotional in den Poeten-Olymp erträumt, werden doch die Verkaufszahlen baldig für sich sprechen. Aber für all jene habe ich auch schon eine Lösung parat. Ohne erheblichen schulischen Abschluss, Bildungsniveau, oder gar Lernbemühen lässt sich mittlerweile die Berufsbezeichnung des Heilpraktikers erwerben. Zwar öffnen sich so nicht die Bretter, die die Welt bedeuten, aber so ein weißes Kittelchen macht dem Ego doch auch was her?!
Nein, nein, nein, ich bin garnicht so böse, wie es scheint! Wirklich nicht. Sehen Sie selbst, lieber Heinrich, im Himmlischen Palast erwartet Sie eine kleine Aufmerksamkeit. Soooo schlimm kann ich also garnicht sein….;)
Einen zauberhaften Tag
wünscht: die Falkin
Liebe Falkin,
Bis heute Abend!
ich bin so überwältigt, dass ich meine Antwort zu Ihrer kleinen Aufmerksamkeit erst einmal in Kladde schreiben muss.
Gruß Heinrich
[edit] so, bin fertig
http://heinrich11.wordpress.com/2011/11/22/ich-blogge-so-vor-mich-hin-und-plotzlich-fallt-ein-award-vom-himmel/
Liebe Petra,
ich bin leider noch nicht “reif” genug, einen Jagdschein zu bekommen. Und wenn es soweit ist, werde ich wohl tragischer Weise nichts mehr damit anzufangen wissen. (Jetzt wüsste ich noch den ein oder anderen “Ausbruch”, den ich damit rechtfertigen könnte.)
Aber ich muss schon sehr “suchen”, denn im Großen und Ganzen ist meine Welt in Ordnung.
Gruß Heinrich